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Die Bücher-Brücke

Gemeinsam vor Gott
Gebete aus Judentum, Christentum und Islam
 


Herausgegeben von Martin Bauschke, Walter Homolka und Rabeya Müller
1. Auflage 2004. 160 S. Geb. mit Lesebändchen
Format: 13,0 cm x 20,5 cm . ISBN 3-579-05543-7, EUR 16,95. Gütersloher Verlagshaus

Religionsübergreifende Gebete - Für alle, die sich im interreligiösen Dialog engagieren

Für die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam sind der Glaube an den einen Gott und das Gebet zu Gott von herausragender Bedeutung: Dabei sehen Juden, Christen und Muslime in Abraham ein über die Zeiten hinweg gültiges Vorbild ihres Glaubens. Auf der Basis dieser grundlegenden Gemeinsamkeit ist das abrahamische Gebetbuch »Gemeinsam vor Gott« entstanden. Es enthält Gebete aus dem jüdischen, christlichen und islamischen Gebetsschatz für multireligiöse Gebetsfeiern und gemeinsam formulierte Gebete der drei abrahamischen Religionen für interreligiöse Gebetsfeiern.

In der Einleitung erklären die Herausgeber:

Ein »abrahamisches Gebetbuch« als gemeinsame Sammlung von Gebetstexten für Juden, Chris-ten und Muslime zu veröffentlichen bedeutet, spirituelles Neuland zu betreten. Bedeutet, in einer besonderen und in dieser Weise bisher einmaligen Form einem in den letzten Jahren immer stärker gewordenen Bedürfnis von Männern und Frauen aus diesen drei Religionen nach Gemeinsamkeit vor Gott im Gebet Rechnung zu tragen.
Für manche Zeitgenossen mag diese Sehnsucht nach Gemeinsamkeit vor Gott im Gebet gerade von Juden, Christen und Muslimen überraschend sein. Die Anhänger dieser drei Religionen machen auf den ersten Blick — blickt man in die täglichen Fernseh-und Zeitungsberichte—vielfach in fanatisierter Erscheinungsform von sich reden und bestätigen das bei vielen tief verwurzelte Gefühl, dass Religionen alles andere seien als Quellen des Friedens oder der Eintracht. Im Ge-genteil hätten gerade Judentum, Christentum und Islam als die sog. »prophetischen« bzw. »monotheistischen Religionen« eine besondere Neigung zur Unduldsamkeit und zu allein seligmachenden Absolutheitsansprüchen an den Tag gelegt.
Immer ist es jedoch ratsam, einen zweiten Blick zu riskieren ...."


Noch muss bei interreligiösen Feiern sehr viel vorher geklärt werden. Dafür nehmen sich die Autoren auch in diesem Bändchen Zeit:

„Sowohl für das multireligiöse wie auch für das interreligiöse und abrahamische Beten sind in diesem Gebetbuch geeignete Texte zu finden. Es gibt wohl kaum die ein für alle Mal gültige und richtige Form einer gemeinsamen Gebetsfeier. Diese ergibt sich vielmehr ganz aus dem jeweiligen Kontext und äußeren Anlass und muss von den daran beteiligten Personen und Gruppen selbst verantwortet werden“.

Die Quellen der einzelnen Texte sind in einem besonderen Verzeichnis aufgeführt. Es belegt, dass - neben der Literatur - die interreligiöse Praxis der letzten Jahre eine fruchtbare Zeit der Begegnung war. Für die Schule eignen sich besonders die Gebete für Beginn oder Ende des Schuljahres. Hier haben die Autoren Hilfen für interreligiöse Schulfeiern im Auge gehabt.

Als Anregung für eigenes Gestalten und zum Gebrauch bei geplanten Feiern stehen Gebete für folgende Gebetsanlässe zur Verfügung:

Lobpreis und Dank; Bitte und Fürbitte; Mahlgemeinschaft, Durch den Tag und das Jahr; Schöpfung; Freundschaft und Liebe; Kinder und Schule; Frieden und Versöhnung, Schuld und Vergebung; In Not und Gefahr; Krankheit, Klage, Trauer und Tod; Auf allen Wegen.

Zu jedem dieser Gebiete findet man in dem Gebetsbuch von den einzelnen Gemeinschaften formulierte Texte, aber auch zahlreiche gemeinsame. Als ein Bielspiel sei hier die gemeinsame Bitte um Gottes Segen aufgeführt (S. 148 f):

Gott, dir folge ich auf meinem Lebensweg,
dir vertraue ich mich an, du bist mein Kompass.

Ich habe viele sonnige Tage genossen,
ich blühte auf wie Blumen im Sommer,
wie Bäume im Frühling.
Ich habe deinen Segen genossen,
aber ich hatte auch Angst vor dem Unwetter,
das dem Sommerwetter folgt.

Ich spüre noch immer deinen Segen,
aber ich sehe auch die Wolken,
die im nächsten Tal auf mich warten.
Gott, du bist mein Kompass,
ich vertraue dir:
Warum schickst du mich durch dieses Tal?

Warum treibt mich der Wind von hinten an?
Ich kann dieses Tal nicht überschauen,
und ich habe Angst davor.
Warum darf ich nicht einfach hier bleiben,
sitzen bleiben,
und mich ausruhen?

Gott, du bist mein Kompass,
dir folge ich auf meinem Lebensweg.
Ich vertraue dir.
Dein Segen wird mich in dieses Tal begleiten,
dein Segen wird mich wieder herausführen,
die Sonne wird scheinen.

Gott, ich vertraue dir,
dir vertraue ich mich an,
du bist mein Kompass.

Amen.


Manfred Spieß


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